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Grußwort am Sommerfest der Islamischen Gemeinde Hockenheim

Meine sehr verehrten Damen und Herren, lieber Herr Elibol, liebe Freundinnen und Freunde,

herzlichen Dank erst einmal für die Einladung zu Ihrem schönen Sommerfest hier in Hockenheim. Ich freue mich wirklich sehr, heute hier zu sein, zumal der Anlass ein freudiger ist – gemeinsam feiern, gute Gespräche führen, Kulinarisches genießen, Kultur erleben. Das letzte Mal, lieber Herr Elibol, trafen wir uns vor einigen Monaten, damals  war der Anlass traurig und erschütternd: Nach dem verheerenden Anschlag auf die Zeitschrift Charlie Hebdo setzten Sie von der Türkisch-Islamischen Gemeinde Hockenheim – gemeinsam mit den hiesigen Zeitungsredakteuren – mit einer Mahnwache ein Zeichen gegen Terror und für  Presse- und Meinungsfreiheit. Auch damals bin ich gerne gekommen, um dieses Zeichen gemeinsam mit Ihnen zu setzen.

Was bedeutet das für uns alle? Wir sind uns nicht gleichgültig. Es darf uns nicht egal sein, dass im Namen einer Religion Hassprediger und Provokateure versuchen, einen Spalt zwischen die große Gemeinschaft der Muslime zu treiben und unsere ureigenen freiheitlichen Werte anzugreifen. Ihnen allen darf das nicht egal sein. Und auch mir nicht. Weil wir hier gemeinsam friedlich leben. Und ich sage bewusst: GEMEINSAM. Es ist nicht nur ein Nebeneinander, sondern ein Miteinander. Nicht nur ein Tolerieren, sondern ein Respektieren. Nicht ein Ignorieren sondern ein „Sich Interessieren“. Wenn wir alle, die muslimischen und die nicht-muslimischen Gemeinden, dies unter Gemeinschaft verstehen, dann sind wir auf dem richtigen Weg. Wir, egal ob Muslime, Christen oder Mitglieder anderer Religionsgemeinschaften: Wir lassen uns nicht spalten und wir stehen gemeinsam für unsere gesellschaftlichen Werte ein. Vor allem dann, wenn sie bedroht sind. Aber auch dann, wenn wir, wie heute, gemeinsam feiern möchten.

Natürlich unterstütze ich auch als Landespolitiker und Mitglied der grünen Regierungsfraktion alle konkreten Bemühungen, gesellschaftliche Veränderungen nicht nur wahrzunehmen, sondern auch auf sie zu reagieren. Als ein gelungenes Beispiel nenne ich die staatliche Ausbildung für islamische Religionslehrer, die es inzwischen an der Universität Tübingen gibt. Weiterer erheblicher Anstrengungen bedarf es dagegen auf dem gemeinsamen Weg hin zu einer neuen Ausgestaltung der Ausübung des Islam in Deutschland mit Hilfe türkischer Imame: Nach wie vor sprechen die meisten, die hierherkommen, gar kein oder nur sehr gebrochenes Deutsch. Dies schadet der interkulturellen Verständigung. Daher würde ich mir wünschen, dass, wer Imam hier in Deutschland werden will, an einer unserer Universitäten ausgebildet wird – oder zumindest, bevor er hierher kommt, in seinem Heimatland hinreichend Deutsch gelernt hat.

Besonders freue ich mich auch, dass in diesem Jahr das traditionelle Fastenbrechen auf Einladung des Ministerpräsidenten in Schwetzingen stattfindet. Und im nächsten Jahr wird es im Schlossgarten wieder ein großes interkulturelles Fest geben, und zwar am 30. Juli 2016. Sie sind jetzt schon alle herzlich eingeladen!

Es ist schön, dass so viele Möglichkeiten geschaffen werden, Gemeinschaft zwischen Angehörigen verschiedener Volksgruppen und Religionen zu erleben. Doch, liebe Freundinnen und Freunde,  Sie wissen, es ist vor allem im Alltag, im täglichen Miteinander, wo sich Respekt, Interesse und Verständnis füreinander bewähren müssen. Ein Sommerfest wie heute in Hockenheim ist ein wunderbarer Anlass, dafür den Grundstein zu legen, bestehende Kontakte zu intensivieren und Freundschaften zu pflegen.
Herzlichen Dank! 

>>> Grußwort in türkischer Sprache als pdf-Datei