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Rede im Plenum zum Thema Archäologie und Denkmalschutz

Herr Präsident, meine Damen und Herren,

Baden-Württemberg ist einzigartig. In vielerlei Hinsicht! Einmalig – und darauf gehen wir heute ein – ist unter anderem die reiche Ausstattung mit Kulturdenkmalen, egal ob sichtbar als erhaltens- und schützenswerte Baudenkmale, als die Sinne anregende, Gefühle oder auch Macht ausdrückende wertvolle Kunstdenkmale, oder unsichtbar im Boden. 

Gerade die archäologische Denkmalpflege eröffnet einen konkreten Zugang zu unserer Geschichte, sie hebt Schätze, die einen wichtigen Teil des kulturellen Gedächtnisses ausmachen. Und wir müssen und werden alles dafür tun, sie für die kommenden Generationen zu erhalten. Die öffentliche Förderung für die Archäologie ist in den vergangen Jahren kontinuierlich gestiegen. Diese Entwicklung spricht für sich: die Landesregierung weiß sehr wohl um die  Bedeutung, die  Baden-Württemberg auf diesem Gebiet hat. Nicht nur, was die Dichte und Anzahl archäologischer Fundstätten und Denkmale angeht, sondern auch in qualitativer Hinsicht setzt dieses kulturelle Erbe Maßstäbe in Deutschland, ja in Mitteleuropa. Erwähnt seien an dieser Stelle nur kursorisch die altsteinzeitlichen Höhlen der Schwäbischen Alb, die Pfahlbauten der Jungsteinzeit und Bronzezeit oder die frühkeltischen Fürstensitze und Fürstengräber.
Lieder stehen diese historischen Bodenschätze häufig Bau- und Infrastrukturmaßnahmen sprichwörtlich im Wege. Hier gilt es, schnell und dennoch nachhaltig zu Lösungen zu gelangen, die sowohl dem Bauherrn als auch dem in der UN-Charta festgehaltenen gesellschaftlichen Anspruch auf Erhalt des kulturellen Erbes gerecht werden. Es haben sich regionale Schwerpunkte im Bodendenkmalschutz vor allem dort herausgebildet, wo entsprechende „Rettungsarbeiten“ im Zuge von Baumaßnahmen regelmäßig erforderlich sind – zum Beispiel entlang von Bahn- und Autobahnlinien. Für große Rettungsarbeiten werden öffentlich-rechtliche Verträge zwischen den Denkmalfachbehörden und den Bauherren abgeschlossen. Darin wird nicht nur die Kostenbeteiligung beider Seiten verbindlich vereinbart, sondern auch geklärt, in welchem Zeithorizont die Ausgrabungen stattfinden sollen. Dies hilft beiden Seiten und zeigt, dass die Landesregierung verantwortungsvoll mit dem kulturellen Erbe dieses Landes umgeht, ohne die Interessen der Betroffenen aus dem Auge zu verlieren.

Archäologische Denkmale erscheinen, im Gegensatz zu Baudenkmalen, zunächst häufig unsichtbar. Ihre kulturgeschichtliche Bedeutung erschließt sich nicht unmittelbar. Deshalb ist es unerlässlich, dass wir diese Funde in Ausstellungen und Publikationen der breiten Öffentlichkeit im gesamten Land zugänglich machen. Regelmäßig werden darüber hinaus in Baden-Württemberg Große Landesausstellungen wichtiger archäologischer Epochen veranstaltet. Noch lange begleiten wird uns beispielsweise auch das auf zwölf Jahre angelegte Langzeitprojekt an der archäologischen Fundstätte Heuneburg, das die Deutsche Forschungsgemeinschaft auf Antrag des Landesdenkmalamtes mit insgesamt vier Millionen Euro fördern wird.

Doch es gibt nicht nur solch epochale Funde wie die oben erwähnten. So wurden vor nicht allzu langer Zeit in der Gemeinde Reilingen in meinem Wahlkreis Reste einer mittelalterlichen Burg gefunden. Von der ehemaligen Burg Wersau kann man heute nichts mehr sehen, denn sie wurde bereits im späten 18. Jahrhundert vollständig abgetragen. Dennoch fand sich eine Gruppe interessierter Bürgerinnen und Bürger zusammen, die damit begannen zusammenzutragen, was von der Burg noch auffindbar ist. Im Jahr 2012 fand – als Beispiel hervorragender Zusammenarbeit zwischen Behörden, wissenschaftlichen Einrichtungen und Ehrenamtlichen – während der Sommersaison eine Grabung des Instituts für Vor- und Frühgeschichte der Universität Heidelberg auf dem Gelände statt. Bei dieser Grabung traten nicht wie erwartet die Mauern der alten Kernburg zu Tage, sondern weitere Spuren aus noch früherer Zeit. Unter der Grasnarbe warten also die Hinterlassenschaften aus mehreren Jahrtausenden, die unberührt im Dornröschenschlaf liegen. Der Arbeitskreis Burg Wersau hat sich nun zur Aufgabe gemacht, diese Artefakte zu bergen, die Entwicklungsgeschichte der Region zu erforschen und für jedermann erlebbar zu machen. Dies geschieht unter Mitarbeit vieler freiwilliger Helferinnen und Helfer; es gibt regelmäßig auch begleitete Grabungen unter Mitwirkung von interessierten Kindern und Jugendlichen. 

Wir sehen, auch das ist Baden-Württemberg: Menschen, die sich im Ehrenamt für die Bewahrung von Kulturgeschichte aktiv einsetzen! So bleibt diese auch für kommende Generationen erlebbar. Dieses Engagement kann man nicht genug würdigen.

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

>>> Landtagsdrucksache 15/4776: Archäologisches Erbe und Bodendenkmalpflege in Baden-Württemberg

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