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Plenarrede zum Staatshaushaltsgesetz 2018/19 EPL 14 – Drucksache 16/3214

Sehr verehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren,

schön, dass Sie mir zu dieser späten Stunde ihre Aufmerksamkeit schenken – es geht um Kunst und Kultur. Ja brauchen wir das eigentlich, Kunst und Kultur? Die Antwort ist klar und deutlich: Ja

Schon die Bewohner*innen der frühen Steinzeithöhlen haben Bilder an die Wände gemalt. Sie schnitzten Flöten aus Tierknochen – offenbar nahmen sie sich die Zeit zum Musizieren, obwohl sich das Erfüllen der grundlegendsten Bedürfnisse – wie das Beschaffen von Nahrung und Kleidung – seinerzeit wesentlich schwieriger gestaltete als heute.

Gerade heute, wo die globalisierte Welt im Eiltempo – digital und virtuell – an uns vorbei rauscht, ohne uns wirklich mitzunehmen, ist es notwendiger denn je, dass wir uns als Land um die Kunst kümmern, Kunst und Musik, Nahrung für die Sinne.

Kunst und Kultur kennen keine Grenzen. Richten wir in diesem Geist unseren Blick auf unsere französischen Nachbarn: „Kultur ist der Kleber für den sozialen Zusammenhalt“, so Staatspräsident Emmanuel Macron in seiner Rede an der Sorbonne. Denn: sie ist das Mittel gegen soziale Ausgrenzung und damit gegen Ungerechtigkeit.

Um der enormen Veränderungen unserer Zeit Herr zu werden, braucht es nicht weniger als einen Kulturwandel. Insbesondere müssen wir die Teilhabe aller durch niederschwellige Kunst- und Kulturangebote ermöglichen.

Wenn uns also der gesellschaftliche Zusammenhalt wichtig ist, wenn wir Teilhabe wollen und wenn uns Europa etwas bedeutet, dann ist es richtig, dass wir für die Kultur im Staatshaushalt 2018/2019 eine halbe Milliarde Euro pro Jahr ausgeben wollen.

Indem die vergangenen und zukünftigen Tarifsteigerungen übernommen werden, erhalten wir gute Arbeitsbedingungen für Künstlerinnen und Künstler. Damit unterstützen wir die ganze Vielfalt kultureller Formate in Baden-Württemberg: Die Staatstheater und Museen, die Landesbühnen, die kommunalen und privaten Theater, die Festivals, den Tanz, die soziokulturellen Zentren – der Bogen ist weit, der sich hier spannt. Wir ermöglichen den Zugang zur Kultur für viele Menschen in unserem Land, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft und ihren ökonomischen Verhältnissen. Kultur will und muss vermittelt werden – vor Ort, im klassischen Rahmen, aber auch in ganz neuen Formaten, wie wir sie aus dem Innovationsfonds heraus unterstützen.

Mit der Weltkunst am Linden-Museum und der Weltmusik an der Popakademie begehen wir neue, interkulturelle Pfade.

Wir wollen, dass sich die Menschen für Kunst und Kultur begeistern, wir wollen ihnen Mut machen und gleichzeitig Sinn stiften. Deswegen freue ich mich besonders, dass wir gemeinsam mit dem Koalitionspartner in diesem Haushalt einen Schwerpunkt auf die Kulturvermittlung in die Gesellschaft hinein legen konnten.

Ein Beispiel dafür ist die hervorragende Arbeit des Jazz & More-Kollektivs, das seit 2014 Workshops für Schülerbands anbietet. Acht Vollprofis, die unter anderem an der Landesakademie für die musizierende Jugend in Ochsenhausen unterrichten, bringen hier Schülerinnen und Schüler, die über die entsprechende Vorbildung verfügen, in Zusammenarbeit mit den Musikpädagogen der Schule in kürzester Zeit zur Konzertreife. Aus meiner Sicht ein überaus erfolgreiches und wichtiges Projekt, dessen Fortbestand nach Wegfall der Förderung durch die L-Bank nun aus Landesmitteln gesichert wird.

Kunst und Kultur sind immanenter Bestandteil einer guten Bildung und stellen sozusagen das Gegenmittel zu Gewalt und Radikalisierung jeglicher Art dar. Die ästhetische Erziehung, insbesondere für junge Menschen, sollte uns wichtig sein, gerade in einer Zeit der Unsicherheit, die geprägt ist von großen sozialen und gesellschaftlichen Umbrüchen und Herausforderungen wie dem demografischen Wandel, der drohenden Klimakatastrophe, der zunehmenden Digitalisierung.

Neben den von uns für ihre hervorragende Arbeit hoch geschätzten Musikschulen und Jugendkunstschulen haben auch die Verbände der Amateurkunst eine wichtige Aufgabe im Bereich der kulturellen Bildung. So veranstalten die Amateurtheater nicht nur jährlich die Theatertage am See in Friedrichshafen, sondern im nächsten Jahr auch das 10. Internationale Theaterfestival in Donzdorf, das wir unterstützen.

Für die Amateurmusik hat die Aus- und Fortbildung ihrer vor allem jungen Mitglieder große Bedeutung. Dieser werden wir gerecht durch die Investitionszuschüsse für die Musikzentren bzw. Akademien in Plochingen und Staufen sowie durch die schrittweise Anpassung der Chorleiterpauschale an die Zuschüsse für die Übungsleiter*innen im Sport. Wobei wir guter Hoffnung sind, dass mit den nunmehr 18,8 Millionen Euro endlich das Ende der Fahnenstange erreicht ist. Höher, glaube ich, können wir nicht klettern!

Zu den Kunstformen, die unser besonderes Augenmerk verdient haben, gehört der Tanz. Gerade die Jugend lässt sich von den in die breite Öffentlichkeit gerichteten Angeboten der verschiedenen Ensembles, wie beispielsweise „all you can dance“ der TanzSzene Baden-Württemberg, ansprechen und in Bewegung versetzen. Der Verband, der eine wichtige Netzwerkfunktion hat, aber auch die gesamte Freie Szene werden vom Land mit diesem Haushalt verstärkt gefördert.

Das sind nur einige kleine Beispiele dafür, wie gut Kunst und Kultur im Haushalt 2018/19 verankert sind. Kulturvermittlung in die Gesellschaft hinein, Kultur, die zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beiträgt, Kulturelle Bildung: das sind die richtigen Leitideen!

Deswegen schließe ich mit der Feststellung:

Die Kunst braucht uns, und wir brauchen die Kunst!

Wir brauchen sie, um ein modernes und weltoffenes Land zu bleiben, um kulturelle Werte zu vermitteln und Grenzen zu überschreiten, ja, um unsere Gesellschaft zusammen zu halten.

Der jetzt vorliegende Einzelplan ist kunstfertig – damit können wir einiges bewegen, um Kunst und Kultur im Land weiterhin einen guten Auftritt zu ermöglichen.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!

Landtagswahlprogramm
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