alt text

Heidelberger Hardchor sang Grünes Wahlprogramm in der Wollfabrik

Man merkte Schwetzingen seine Nähe zur Universitätsstadt Heidelberg an: Exakt mit der akademischen Viertelstunde Verspätung ging es am Samstagabend in der Alten Wollfabrik los. Grünen-Stadtrat Marco Montalbano begrüßte launig die Gäste, die in stattlicher Anzahl zum Grünen Wahlkampfhöhepunkt des örtlichen Abgeordneten und Kandidaten Manfred Kern gekommen waren, allen voran die Fraktionsvorsitzende im Landtag Edith Sitzmann. Anschließend übernahm Moderator Arnd Küppers die Aufgabe, der erfahrenen Landespolitikerin Antworten auf schwierige Fragen zu entlocken wie die nach dem Umgang mit der Schmuddelpartei AfD (Antwort: Man ist froh, wenn man den Umgang vermeiden kann), die nach der größten Enttäuschung der letzten fünf Jahre (Antwort: Stuttgart 21) oder auch „Wie fühlt sich das an, plötzlich in Umfragen stärkste Partei im Land zu sein?“ (Antwort: Umfrageergebnisse sind noch lange keine Wahlergebnisse). Beim Thema Kultur kam man dann auf Manfred Kern, der in der Landtagsfraktion die Rolle des kulturpolitischen Sprechers innehat. Sitzmann beschrieb ihn vorher noch als „Querdenker“ und lobte seine Qualitäten als musikalischer Unterhalter bei den Gemeinsinn-Abenden der Fraktion. Der Wahlkreisabgeordnete nutzte die Gelegenheit, um einen kurz gefassten Überblick über die Errungenschaften in der Kulturpolitik, insbesondere in der Metropolregion Rhein-Neckar, zu geben und die Besucherinnen und Besucher, deren Zahl sich inzwischen weiter erhöht hatte, dazu aufzurufen, ihr Kreuzchen am nächsten Sonntag an der richtigen Stelle zu machen. Alsdann überließ Kern dem Heidelberger Hardchor die Bühne.

Der Chor begann mit einer Komposition seines Chorleiters Bernhard Bentgens, neu vertextet mit dem Titel „Wen willst Du wählen, wenn nicht ihn?“. Der Gastgeber, der anfangs noch abseits gestanden hatte, sprang auf die Bühne und begann solistisch das 70er-Jahre-Stück „Radar Love“. Bernhard Bentgens hatte zuvor dem Publikum erklärt, wie das abendliche Musikprogramm sich an dem Wahlprogramm der Grünen orientiere. Dazu wurden einzelne Textpassagen aus dem 250 Seiten starken Grünen Buch herausgenommen und genüsslich seziert. Dabei ging es zuerst um die Kreislaufwirtschaft („Trenn deinen Müll“). Beim Thema „Starke Familien“ stellt der Solist zur Melodie von Lionel Ritchies „Easy“ fest, dass die geliebte Partnerin das von ihm vorbereitete Frühstück verschmäht und stattdessen „Müsli am Sonntagmorgen“ bevorzugt. Dass Tanzen gesund ist und auch gegen Fettleibigkeit bei Kindern hilft, steht nicht nur im Programm der Grünen, sondern auch im Text von Peter Fox‘ „Schüttel Dein‘ Speck“. Sorgen um die Mobilität der Zukunft machte sich der Chor insbesondere wegen Stuttgart 21 und dem milliardenschweren Flughafenanschluss, wo man doch anschließend nur total verängstigt im Flieger sitzt, um mit Thomas Pigor zu sinnieren: „Piloten lügen“. Freddy Mercury hat einen virtuosen Nachahmer gefunden: Hardchor-Sänger Peter Saueressig brachte den Saal mit „Somebody to love“ zum Brodeln, bevor zur großen Gaudi aller das Thema „barrierefreier Tourismus“ zur Sprache kam, welches in das Pigor-Stück „Maulende Rentner“ mündete. Natürlich durfte auch das Thema Bildung nicht fehlen.

Trotz aller Anstrengungen kann es jedoch passieren, dass aus dem Sprössling nichts wird, wie die Ärzte beziehungsweise der Hardchor in ihrem Stück „Junge, warum hast Du nichts gelernt?“ erzählen. Einfache Sprache ist angesagt für all diejenigen, denen längere Texte Schwierigkeiten bereiten. Nach diesem Motto fasste der Chor die Situation in einem einfachen Satz der Band Queen zusammen: „We are the champions“. Der Italiener im Chor, Davide Quartero, verzweifelt auf der Suche nach einer Textpassage im Wahlprogramm, die von seiner Heimat handelt, erzählte stattdessen vom Strand und seiner Freundschaft zum Grünen Kandidaten. Bei „Volare“ von Domenico Modugno sangen schließlich alle Anwesenden mit. In der Zugabe musste Edith Sitzmann auf die Bühne und gemeinsam mit dem Chor unter großem Beifall das „Fischstäbchen“ singen, eine Verballhornung von Paul Simons „Bridge over troubled water“.

Daraufhin rockte der Chor als Blues Brothers nochmals den Saal mit „Everybody needs somebody to love“, mit Tanzeinlagen, einem Mundharmonika-Solo von Manfred Kern und Standing vations des Publikums. Nach dem Dank und den Blumen von Manfred Kern für Edith Sitzmann und vom Dirigenten für die Ehefrau des Abgeordneten, die „so wunderbare Schnittchen“ für den Chor gemacht hatte, verabschiedete sich das Männerensemble mit „Nothing’s gonna change my love“. Die Gäste hatten dann noch Gelegenheit, mit Manfred Kern und auch miteinander ins Gespräch zu kommen, was auch reichlich genutzt wurde. Alles in allem war es ein wunderbarer Abend mit mehr Gesang als Politik in der Alten Wollfabrik.

Landtagswahlprogramm
http://fluechtlinge.gruene-landtag-bw.de/
www.strassen.gruene-landtag-bw.de
www.bildung.gruene-landtag-bw.de