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Grußwort auf der Jahreshauptversammlung des Badischen Chorverbandes in Baden-Baden

Sehr geehrte Herren Kollegen aus dem Bundes- und Landtag, lieber Herr Präsident Offele, liebe Sängerinnen und Sänger, meine sehr verehrten Damen und Herren,

gerne bin ich auch dieses Jahr wieder der Einladung zu Ihrer Jahreshauptver­sammlung gefolgt. Mein großer Dank geht wie immer an erster Stelle an all die Ehrenamtlichen für ihr fantastisches Engagement, ohne das die Kulturlandschaft im Land arm aussähe...

Eines unserer wichtigsten Anliegen ist es, den Gesang – nach den Eskapaden der früheren Landesregierungen – wieder fest in Kindergärten und Schulen zu verankern. Deshalb werden wir auch den unsäglichen Fächerverbund „Mensch, Natur, Kultur“ mit Wirkung ab dem nächsten Schuljahr auflösen. Musik wird – ebenso wie Kunst und Werken – wieder als eigenständiges Schulfach unterrichtet. Damit verbunden wird die Ausbildung in Elementarer Musikpädagogik an unseren Musikhochschulen sowie an den Aus- und Weiterbildungseinrichtungen für Erzieherinnen und Erzieher, für Lehrerinnen und Lehrer weiter verstärkt. Wir brauchen qualifizierte Fachkräfte, die nicht nur wissen, wie wichtig musisch-ästhetische Bildung für unsere Jüngsten ist, sondern die die Kinder auch begeistern können für Musik und Gesang!
Gerade im Bereich der kulturellen Jugendbildung sind die Musik- und Gesangvereine als Partner unerlässlich. Partnerschaft heißt für mich in diesem Zusammenhang: Beide Seiten geben ihr Bestes, und beide Seiten ziehen den größtmöglichen Nutzen daraus. Wenn Sie als Vereine z.B. den Schülerinnen und Schülern nachmittags im Rahmen der offenen Ganztagesschule Musik und Gesang anbieten, profitieren gleich drei Parteien davon: Natürlich die Schulen, die Schwierigkeiten haben, eine ausreichende Zahl von Musiklehrern am Nachmittag vorzuhalten, aber auch die Kinder und Jugendlichen, die so eine praktische Ergänzung ihrer Ausbildung im Fach Musik bekommen, und nicht zuletzt die Vereine, die auf diese Weise ihren Nachwuchs pflegen. Und ich finde es schlimm dabei zusehen zu müssen, wie mehr und mehr Chöre und Gesangvereine – in meiner Heimatzeitung lese ich ständig davon – mangels Nachwuchs schlichtweg aussterben.

Ich würde mir deshalb – auch in Ihrem Sinne – wünschen, dass Sie alle Ihr gutes Angebot in die Schulen tragen und als Kooperationspartner den Jungen und Mädchen die Freude am Musizieren und ganz besonders am Singen vermitteln.

Sie haben nun, werter Herr Präsident Offele, in Ihrer Verbandszeitschrift einige Dinge geschrieben, die ich nicht unkommentiert stehen lassen möchte. Ich bitte Sie deshalb um Verständnis dafür, dass ich an dieser Stelle auf den einen oder anderen Kritikpunkt eingehen möchte:

Sie schreiben, die Landesregierung habe für 2013 ohne jede Vorankündigung Kürzungen bei den Zuschüssen für die Laienmusik vorgenommen.

Bei den etatmäßigen Kürzungen handelte es sich um die Vorwegnahme der so genannten „globalen Minderausgabe“, die Sie Jahr für Jahr, auch in früheren Jahren, je nach Haushaltslage erdulden mussten. Wir waren insoweit einfach ehrlicher und haben das direkt schon bei der Haushaltsaufstellung berücksichtigt. Es gab dann zugegebenermaßen noch eine weitere Kürzung über alle Ressorts hinweg, von der auch der Kulturhaushalt nicht ausgenommen war. Aber selbst nach dieser Kürzung haben die Amateurmusikverbände immer noch mehr Geld erhalten als vor dem Regierungswechsel. Das können und dürfen Sie nicht leugnen, Herr Präsident!
Sie schreiben weiter, die Landesregierung ließe erkennen, dass sie nicht beabsichtige, den gemeinsamen Forderungen nach einer Erhöhung nachzukommen.

Ich darf Ihnen an dieser Stelle rundheraus versichern, dass ich als kulturpolitischer Sprecher der Grünen Regierungsfraktion und Ehrenvorsitzender des Schwetzinger Kammerchors Quatro Forte mit zu denjenigen gehöre, die lieber früher als später eine Mittelerhöhung für die Amateurmusik hätten (das heißt jetzt nicht mehr Laienmusik, denn es sind auch – insbesondere bei den Dirigentinnen und Dirigenten – viele professionelle Musiker im Vereinsbereich engagiert). Aber: Wir müssen den Landeshaushalt konsolidieren, in allen Bereichen, daran führt kein Weg vorbei, und da darf man sich schon mal fragen, was es bringt, wenn jeder Verein nach dem Gießkannenprinzip 300 Euro jährlich an Dirigentenförderung erhält, wo es gute Chöre gibt, die sich richtige, professionelle Chorleiter leisten, die monatlich ein Vielfaches dieses Betrags erhalten. Oder ob das Geld, was in Sängergläser und Pokale gesteckt wird, nicht besser dort seine Wirkung entfaltete, wo Chöre beispielhaft Integration, Inklusion und kulturelle Bildung betreiben.

Herr Präsident, Sie glauben einen Widerspruch zu erkennen zwischen einer „realen Kürzung der Zuschüsse, weil seit Jahren alle Kosten unserer Chöre und des Badischen Chorverbandes gestiegen sind“, während gleichzeitig Ihre Vereine sich in den Schulen engagieren, fehlenden Musikunterricht ersetzen und für kostengünstige Betreuung in den Ganztagsschulen sorgen sollten. Und Sie fügen die Behauptung an, man würde „die ohnehin unzureichenden Landesmittel für diesen Bereich ständig kürzen“.

Ich habe es bereits gesagt, von einer Kürzung kann nicht die Rede sein; immerhin haben wir im ersten Jahr nach der Regierungsübernahme die Zuschüsse für die Amateurmusik um 250.000 € erhöht, und wir liegen auch jetzt noch über dem Level von 2010. Und die Unterstellung, wir sähen in Ihnen, den Musik- und Gesangvereinen, nur jemanden, der kostengünstig unsere Jugendlichen am Nachmittag betreut, habe ich ja vorhin schon widerlegt. Ich wiederhole es gerne: Es ist Ihre Entscheidung, die eines jeden Vereins, ob er sich im Bildungsbereich einbringen und die große Chance, jugendliche Mitglieder zu gewinnen, nutzen will oder nicht.
Uns, den Regierungsfraktionen, ist bewusst, dass wir keine Haushaltspolitik nach dem Sankt-Floriansprinzip machen können. Das wäre unredlich. Aber wir wissen auch, dass wir bei der Aufstellung des nächsten Doppelhaushaltes darauf achten müssen, dass die Verbände der Amateurmusik die Mittel erhalten, die sie für die Fortsetzung ihrer erfolgreichen Arbeit benötigen. Dafür werde ich mich selbstverständlich einsetzen, das verspreche ich Ihnen!

Meine sehr verehrten Damen und Herren, viele von Ihnen wissen, dass ich mich nicht nur als Politiker, sondern vor allem auch als begeisterter Sänger und Musiker mit Herzblut dieser Sache widme. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass Musik und Kunst die Menschen reich macht. Jenseits vom Leistungsgedanken aus purer Freude heraus mit Gleichgesinnten eine musikalische Gemeinschaft zu bilden – wer das einmal erlebt hat weiß, welche Energien dabei freigesetzt werden! Lassen Sie uns gemeinsam und konstruktiv daran arbeiten, dass dies auch in den kommen Jahren möglich sein wird! Vielen Dank für Ihre wertvolle Arbeit und herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Landtagswahlprogramm
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