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Für ein starkes Kulturangebot im ländlichen Raum: Land beschreitet neue Wege der Kulturförderung

Ministerpräsident Winfried Kretschmann: "Kunst und Kultur haben die Kraft, Menschen zusammenzubringen." Staatssekretärin Petra Olschowski: "Als erstes Land wollen wir Kultur-Regionalmanagerinnen und -Regionalmanager als zentrale Ansprechpartner im ländlichen Raum etablieren."

„Kunst und Kultur haben die Kraft, unsere Gesellschaft zu vitalisieren und Menschen zusammenzubringen. Wie der Sport oder die Kirchen ist die Kultur ein wichtiger Lebensbereich, der die Menschen beheimatet. Baden-Württemberg hat eine reiche und vielseitige Kunst- und Kulturlandschaft – in den Metropolen, aber gerade auch in der Fläche. Das zeichnet unser Land aus. Wir setzen uns dafür ein, diese Stärke auch für die Zukunft zu sichern. Wir brauchen auch künftig landesweit eine starke Kunst und Kultur, um die Gesellschaft zusammenzuhalten“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann am Dienstag (17. September) in Stuttgart.

„Das Ehrenamt spielt auch im Kulturbereich eine traditionell bedeutende Rolle, ganz besonders im ländlichen Raum. Wir beobachten aber zunehmend, dass die ehrenamtlichen Strukturen an ihre Grenzen stoßen. Die Rückmeldungen aus unserem DIALOG | Kulturpolitik für die Zukunft sind deutlich: Es braucht professionelle Unterstützung, um das kulturelle Leben in den Regionen zu stärken und weiterzuentwickeln und ehrenamtlichen Akteuren eine Perspektive zu bieten“, sagte Kunststaatssekretärin Petra Olschowski. „Daher unterstützen wir die Landkreise dabei, diese Lücke durch die Einführung von Regional­managerinnen und Regionalmanagern im Bereich Kultur zu schließen.“

Den Bedarf daran habe auch das TRAFO-Projekt „Lernende Kulturregion Schwäbische Alb“ deutlich gemacht – ein Format der Bundeskulturstiftung, an dem sich das Land seit 2016 aktiv beteiligt.

„Viele Menschen in unserem Land engagieren sich in Musikvereinen, Amateurtheatern, Fastnachts- und Brauchtumsvereinen, in der Heimatpflege und in Kulturzentren. Zahlreiche Festivals machen im Sommer die ländlichen Räume auch zu touristischen Zielen. Wir dürfen das Ehrenamt aber nicht überfordern. Ehrenamt braucht Anerkennung, vor allem aber professionelle Hilfestellungen in der Arbeit oder auch in der Fortbildung“, unterstrich Ministerpräsident Kretschmann.

Regionalmanager Kultur: Neue starke Player für Kultur in der Fläche

„Auf diesen Bedarf reagieren wir gemeinsam mit der Kulturstiftung des Bundes. Wir erproben neue Wege in der Kulturförderung und unterstützen damit die Kulturarbeit in den Landkreisen und regionalen Verbünden“, kündigte Olschowski an. Land und Bund stellen jeweils 360.000 Euro zur Verfügung, um gemeinsam mit den Landkreisen „Regionalmanagerinnen Kultur“ und „Regionalmanager Kultur“ in den regionalen Verwaltungen zu etablieren. „Diese sollen zentrale Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner in Sachen Kultur sein, die Kulturakteure vor Ort beraten und unterstützen, ehrenamtliche Vereine und Initiativen bei ihrer praktischen Arbeit entlasten, EU- und bundesweit Fördermittel einwerben und die regionale Kulturpolitik weiter entwickeln“, so Olschowski weiter. 

Baden-Württemberg ist mit diesem Projekt das erste Land im Bund, das die Einrichtung professioneller Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner für Kultur in ländlichen Räumen finanziell und fachlich unterstützt.

Insgesamt sollen bis zu sechs Regionen für eine Teilnahme an dem Pilotprojekt ausgewählt werden, pro Landkreis bzw. kommunalem Verbund stehen für die Startphase bis zu 110.000 Euro zur Verfügung. „Die teilnehmenden Landkreise und kommunalen Verbünde bekommen damit die Möglichkeit, die vielen haupt- und ehren­amtlichen Kulturakteure im Land noch besser zu unterstützen“, so die Staatssekretärin. Bei der Entwicklung des Profils Regionalmanager/in Kultur waren die Landkreise beteiligt. 

Durch eine externe Prozessbegleitung werde die Kultur-Regionalmanager-Stelle darüber hinaus individuell auf die im Vorfeld ermittelten Bedarfe des jeweiligen Landkreises hin entwickelt. „So kann eine für die Region singuläre und passende Kulturentwicklung vorangebracht werden und spezifische regionale Schwerpunkte ausgebildet werden.“

Auch für einen positiven und nachhaltigen Veränderungsprozess in den ländlichen Räumen und zur Förderung und zum Erhalt gleichwertiger Lebensverhältnisse brauche es neben engagierten haupt- und ehrenamtlichen Kulturakteuren eine zentrale Person auf Ebene der Landkreise. „Diese kann professionell zwischen Kultur und Verwaltung vermitteln und dabei zugleich langfristig sowohl impulsgebend als auch Strukturen aufbauend tätig werden“, so Olschowski.

Dialog Kulturpolitik für die Zukunft

Kunststaatssekretärin Petra Olschowski hatte zuvor im Kabinett ein erstes Zwischenfazit des im Juni 2018 vom Kunstministerium gestarteten und auf zwei Jahre angelegten DIALOG | Kulturpolitik für die Zukunft gezogen – für das Themenforum „Kunst und Kultur in ländlichen Räumen“. Dieses ist eines von vier Themenforen des Kulturdialogs, in dem sich rund 200 engagierte Personen aus Kunst und Kultur intensiv mit der Förderung von Kultur in ländlichen Räumen beschäftigen oder damit, wie Traditionen bewahrt und neue, zeitgemäße Formen entwickelt werden können – darunter Vertreterinnen und Vertreter von Kultureinrichtungen, Vereinen, Verbänden, Kulturverwaltung und Regionalentwicklung sowie einzelne Künstler/innen und Kulturakteure aus den ländlichen Räumen.

„Um drei Ergebnisse zu nennen: Deutlich wurde, dass die jeweiligen regionalen Identitäten und Bedürfnisse eine wichtige Rolle spielen, dass es bei den Kulturschaffenden ein großes Bedürfnis gibt an Synergien durch Vernetzung und Kooperationen – nicht nur innerhalb der Kultur, sondern ressortübergreifend und interkommunal – und dass professionelle Austausch- und Vernetzungsformate und Institutionen notwendig sind, die Akteure aus verschiedenen Zusammenhängen zusammenbringen.“

Ländlicher Raum ist kulturpolitischer Schwerpunkt

Die Staatssekretärin nahm die Ankündigung des Regionalmanagers auch zum Anlass, um den Stellenwert von Kunst und Kultur für die Landesregierung darzulegen: „Der ländliche Raum ist für uns ein kulturpolitischer Schwerpunkt. Projekte wie TRAFO oder den DIALOG | Kulturpolitik für die Zukunft nutzen wir, um Bedarfe zu identifizieren und gezielt Lösungsansätze und Konzepte für die konsequente Stärkung der Kultur im ländlichen Raum zu erarbeiten – sowohl in der institutionellen als auch in der Projektförderung.“ Dabei sei auch die Rückbindung an die Erfahrungen der Bundeskulturstiftung von großer Bedeutung.

„In dieser Legislaturperiode setzen wir mit Leuchtturmprojekten wie der Erarbeitung einer Kelten-Konzeption oder mit der Förderung von zwei Blasmusikakademien deutliche Zeichen, wie wichtig der Landesregierung das kulturelle Leben und dessen Zukunft in den ländlichen Räumen ist“, betonte die Staatssekretärin. In dieser Legislaturperiode erhöhe das Land die Förderung der Amateurmusik um jährlich 224.000 Euro, also in vier Jahren um beinahe 900.000 Euro – das bedeutet: knapp 20 Prozent. Dazu kamen zuletzt – über die institutionelle Förderung hinaus – spezielle Förderprogramme unter anderem für die nichtstaatlichen Museen im ländlichen Raum, die Freilichtmuseen, die Privattheater, Festivals und Kinos. „Nicht zuletzt trägt der Innovationsfonds mit seinen verschiedenen Programmlinien als hoch erfolgreiches Förderinstrument konsequent zur Stärkung der Kultur in den ländlichen Räumen bei.“