alt text

Rede in der Plenardebatte zum Haushalt zu den Themen Kultur und Kulturelle Bildung

Sehr verehrte Frau Präsidentin, meine sehr verehrten Damen und Herren,

als ich vor fünf Jahren als kulturpolitischer Sprecher mein Amt angetreten habe, da begann ich in allen Grußworten und Reden überall im Land zu betonen, wie wichtig kulturelle Bildung ist, wie musisch-ästhetische Erziehung junge Menschen formt und wie wichtig niederschwellige Kunst- und Kulturangebote sind, wenn wir das Wort „Teilhabe“ wirklich ernst meinen und wenn uns der gesellschaftliche Zusammenhalt wirklich etwas bedeutet!

Das sehe ich immer noch ganz genau so! Deshalb ist es richtig, dass die Kulturelle Bildung nunmehr im Kunsthaushalt mit einer eigenen Titelgruppe erscheint, mit der schönen Erläuterung: „Kulturelle Bildung ist ein zentrales Thema der Kulturpolitik des Landes Baden-Württemberg. Sie zielt darauf ab, allen Menschen, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft, den Zugang zu Kunst und Kultur zu verschaffen.“

Mehr als eine halbe Million Euro sind hierfür 2017 vorgesehen. Wir werden nicht nur Theaterpädagogik machen, sondern Kindern und Jugendlichen auf allen Gebieten der Kunst Teilhabe ermöglichen.

Wenn ich sage: „Kultur für alle ohne Rücksicht auf den Geldbeutel“, dann wünsche ich mir natürlich auch, dass denjenigen, die es sich nicht ohne Weiteres leisten können, der Eintritt in unsere Museen ermöglicht wird. Wenn wir neue Zielgruppen für Kunst und Kultur gewinnen möchten, dann ist das ein wichtiger Schritt. Doch freier Eintritt allein genügt nicht. Die Welt hat sich verändert, und so muss sich auch die Kulturvermittlung ein Stück weit verändern. Es geht jetzt darum, ein Gesamtkonzept zu erarbeiten, wie wir junge Menschen nachhaltig und mit Hilfe moderner Medien an Kunst und Kultur heranführen.

Ich gehe davon aus, dass uns hierbei auch in den kommenden Jahren die von der Kulturstiftung des Bundes und der Stiftung Mercator im Zusammenhang mit dem Kulturressort finanzierten Kulturagenten unterstützen werden. Ich hoffe auch, dass es keine weiteren Mittelkürzungen aufseiten des Kultusministeriums im Bereich der kulturellen Bildung geben wird, weil dies unsere Anstrengungen im Bereich der Wissenschaft und Kunst konterkarieren würde. Ich danke Ihnen jetzt schon dafür.

Ein Blick auf den Haushalt insgesamt: Brutto belaufen sich die Ausgaben für den Kunstbereich im Jahr 2017 auf fast 488 Millionen Euro. Damit sorgen wir unter anderem dafür, dass das Personal in den Kulturinstitutionen anständig bezahlt wird. Wir verstetigen die Förderung für zahlreiche kleinere Einrichtungen, die wir in der letzten Legislaturperiode begonnen haben. Wir statten die Württembergische Landesbibliothek neu aus und vieles mehr.

Mittels entsprechender Verpflichtungsermächtigungen tragen wir Sorge dafür, dass die Amateurmusik im Land in Zukunft wieder in der Lage sein wird, ihre Jugend in modernen, zeitgemäßen und gut ausgestatteten Zentren in Theorie und Praxis auszubilden. Wir erwarten hier aber von den Verbänden, dass sie ein schlüssiges Gesamtkonzept für die musikalische Aus- und Weiterbildung vorlegen, bei dem auch die bereits im Land vorhandenen Kapazitäten wie z.B. die ebenfalls mit Landesmitteln geförderte und qualitativ hervorragende Bundesakademie in Trossingen berücksichtigt werden.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, wir reden jetzt drei Tage lang hier im Plenum über Einnahmen und Ausgaben vom Millionensummen. Die Erfolge künstlerischer Beschäftigung und kultureller Bildung lassen sich nicht in Zahlen bemessen. Aber der Gewinn für unsere Gesellschaft ist enorm, wenn wir Menschen an musisch-ästhetische Bildung heranführen, gleich ob es sich dabei um Kinder oder Jugendliche handelt, um Menschen mit Handicaps, um Senioren oder um Menschen mit Zuwanderungsgeschichte.

Wenn wir es schaffen, Traditionen zu vermitteln und dabei modern und offen für Neues zu bleiben, wenn wir es schaffen, kulturelle Werte zu vermitteln und dabei die Vielfalt preisen, wenn wir neugierig bleiben, ohne unsere kulturellen Wurzeln zu vernachlässigen, und wenn wir uns als heterogene, vielfältige Gesellschaft begreifen, dann leisten wir einen wichtigen Beitrag für das Zusammenleben in einer guten Zukunft.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.